Hoher Blutdruck wegen Lärm

Kölnische Rundschau vom 15.11.06

VON MARKUS CARIS, 15.11.06, 21:47h

RHEIN-SIEG-KREIS. Männer und Frauen in fluglärmbelasteten Gebieten am Flughafen Köln / Bonn nehmen häufiger blutdrucksenkende Mittel als Erwachsene in weniger oder nicht fluglärmbelasteten Vergleichsgebieten. Das hat jetzt der Bremer Umweltepidemiologe Professor Dr. Eberhard Greiser im Rahmen einer großen Studie herausgefunden.

Er hat die Daten von 809 000 Versicherten von sieben gesetzlichen Krankenkassen ausgewertet. Das entspricht 42 Prozent der Bevölkerung in der für die Studie ausgewählten Region (Stadt Köln, Rhein-Sieg-Kreis und Rheinisch-Bergischer Kreis). Insgesamt kamen Daten aus 1,8 Millionen Versichertenjahren zusammen. Greiser: „Das ist weltweit die größte epidemiologische Studie, die jemals zur Untersuchung möglicher gesundheitlicher Folgen des Fluglärms durchgeführt wurde.“

Am Samstag stellt der Professor bei einem medizinisch-wissenschaftlichen Symposium in Siegburg seine Studie vor. Sie wurde von der „Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf“ initiiert und von Umweltbundesamt und Rhein-Sieg-Kreis gefördert. Greiser nahm besonders nächtlichen Fluglärm zwischen 3 und 5 Uhr ins Visier, teilte Gebiete je nach Lärmbelastung ein und unterschied zwischen Männern und Frauen. Während Männern in Fluglärmgebieten 24 Prozent häufiger blutdrucksenkende Mittel als in Vergleichsgebieten verordnet wurden, war der Wert bei Frauen höher. Das führt Greiser darauf zurück, dass Frauen „nach allen vorliegenden Untersuchungen“ häufiger einen niedergelassenen Arzt aufsuchen als Männer.