Neue Studie warnt vor nächtlichem Fluglärm

Kölner Stadt-Anzeiger vom 18.11.2006

Köln / Bonn - Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung - das alles kann zu Bluthochdruck und Herzkrankheiten führen. Zu der Liste der möglichen Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen muss nun wohl auch Nachtfluglärm hinzugefügt werden. Das jedenfalls geht aus einer Studie zur Gesundheitsgefährdung durch Fluglärm im Bereich des Flughafens Köln / Bonn hervor, die an diesem Samstag in Siegburg vorgestellt wird.

Die Daten von mehr als 800 000 Patienten jeder Altersstufe in Köln, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Rheinisch Bergischen Kreis sind dafür herangezogen worden. Damit ist die Untersuchung die weltweit größte epidemiologische Studie zu diesem Thema. Auftraggeber ist die seit 2001 existierende „Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf“, die für das Projekt vom Umweltbundesamt, dem Rhein-Sieg-Kreis, den Städten Hennef, Siegburg, Lohmar und Neunkirchen-Seelscheid sowie der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln / Bonn unterstützt wurde. Beauftragt wurde mit der Studie Professor Eberhard Greiser vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen.

Untersucht wurden die Patientendaten von Menschen, die innerhalb und außerhalb von Fluglärmgebieten rund um den Flughafen leben. Dabei wurde speziell der Lärm berücksichtigt, der zwischen drei und fünf Uhr nachts entsteht - eine Hauptverkehrszeit auf dem Flughafen und eine Zeit, in der der Schlafrhythmus des Menschen besonders sensibel reagiert. Zugrunde gelegt wurden Dauerschallpegel von 40 bis 45 Dezibel (geringe Belastung) sowie 46 bis 61 Dezibel (stärkere Belastung), besonders laute Einzelschallereignisse fanden in der Studie allerdings keine spezielle Beachtung.

Der Studie zufolge wurden für Männer, die stärkerer Fluglärmbelastung ausgesetzt sind, um rund ein Viertel häufiger blutdrucksenkende Arzneimittel verordnet als für Patienten in Vergleichsregionen mit geringer Lärmbelastung. Bei Frauen schnellt dieser Wert laut Untersuchung auf 66 Prozent hoch. Der Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herz-Kreislauferkrankungen stellte sich auch bei einer Untersuchung heraus, die an allerdings nur 53 rund um den Frankfurter Flughafen lebenden Personen durchgeführt wurde. Das Ergebnis: Die Höhe des Blutdrucks hängst vom Lärmpegel ab.

Der Zusammenhang zwischen Nachtfluglärm und Gesundheit führt aber auch zu durchaus gegensätzlichen Diskussionen. Das zeigte eine Studie vom Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin (DLR), die vor zwei Jahren an kerngesunden Menschen im Schlaflabor durchgeführt worden war. Dabei waren keine wesentlichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Versuchsteilnehmer festgestellt worden. Allerdings gab es, speziell in dem Teil der Ärzteschaft, die direkte Erfahrungen mit Patienten hat, zum Teil heftige Kritik an der Methodik der DLR-Studie, die als nicht praxisbezogen angesehen wurde.

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