Nächtlicher Fluglärm

Mehr Krach - mehr Pillen

Menschen, die nachts von Fluglärm gestört werden, bekommen mehr Medikamente verschrieben als andere. Dabei stehen längst nicht nur Schlafmittel auf ihren Rezepten.

Den Zusammenhang zwischen nächtlichem Lärm und Medikamentenverordnungen entdeckte der Epidemiologe Eberhard Greiser von der Bremer Firma Epi-Consult. Er untersuchte die Krankenkassendaten von mehr als 800.000 Versicherten mit Wohnsitz in Köln, dem Rhein-Siegkreis und dem Rheinisch-Bergischen Kreis. Etwa 150.000 der Kassenpatienten waren dem Lärm des Flughafens Köln-Bonn ausgesetzt.

"Wir haben mehr als 42 Prozent der Gesamtbevölkerung der Studienregion erfasst", sagt Greiser, "damit ist unsere Untersuchung die weltweit größte epidemiologische Studie zu diesem Thema."

Zwischen drei und fünf Uhr stresst Lärm am heftigsten

Offenbar ist Lärm zwischen drei und fünf Uhr nachts besonders belastend. Männer, die in dieser Zeit einem Pegel zwischen 46 und 61 Dezibel ausgesetzt sind, bekamen 24 Prozent häufiger blutdrucksenkende Mittel verordnet als unbelastete Probanden. Bei Frauen waren es sogar um 66 Prozent mehr.

Die Verordnung von Herz-Kreislaufmedikamenten war bei den betroffenen Männern um 27 Prozent erhöht, bei den Frauen um 116 Prozent. Tranquillizer, Schlaf- und Beruhigungsmittel wurden Männern aus lärmbelasteten Regionen nicht häufiger verschrieben, den betroffenen Frauen dagegen um 35 Prozent öfter.

Vorgängerstudien bestätigt

Die höheren Zahlen bei Frauen stimmen mit Ergebnissen anderer Studien überein, wonach diese häufiger Medikamente verschrieben bekommen als Männer, obwohl sie nicht öfter krank sind.

"Das ist zwar noch kein endgültiger Beweis, dass diese Beschwerden durch den Lärm verursacht werden", sagt Jens Ortscheid vom Umweltbundesamt, der die Studie betreut hat. Unabhängige Experten, die die Qualität der Studie kontinuierlich überwacht haben, bescheinigen Greiser aber, dass er andere Ursachen als den Fluglärm so gut wie möglich ausgeschlossen hat.

Unter anderem wurde die Belastung durch Straßenlärm statistisch herausgerechnet. Auch war der Effekt bei Menschen mit unterschiedlichem sozialen Status gleichermaßen zu beobachten. Menschen mit niedrigem Einkommen haben im Schnitt mehr gesundheitliche Probleme als Wohlhabende. Deshalb musste ausgeschlossen werden, dass die Verschreibungszahlen in lärmbelasteten Regionen nur deshalb so hoch sind, weil dort wegen der günstigen Mieten besonders viele ärmere Menschen leben.